Fotos und Text: Michael Nichau

»Jeder geht so weit, wie er es sich zutraut«, mit diesen Worten hat Pfarrer Stefan Thünemann die Turmbesteigung in der Rahdener St.-Johannis-Kirche eingeleitet. Zum Tag des offenen Denkmals konnten sich am 11. September 2011 zahlreiche interessierte Rahdener Bürger den Turm des Gotteshauses inklusive Turmuhr und Glocken von innen ansehen. Nach dem Erklimmen der engen Wendeltreppe gab Thünemann auf der ersten Ebene des Turms - dort steht das Uhrwerk - einige Erklärungen zur Geschichte des Bauwerkes.
Ab 21. September treten zwei Studentinnen ihren Dienst an. Sie sollen den Turm auf seine Geschichte und Architektur hin untersuchen. Thünemann zeigte den Besuchern auch den Zugang zum Tonnengewölbe oberhalb des Kirchenschiffs. Dort haben - nicht für die Öffentlichkeit zugänglich und streng unter Naturschutz - die »Mausohren«, eine Fledermausart, ihre Kinderstube.
»Wir planen, dort in Zukunft vielleicht eine Webcam aufzustellen, damit die Tiere ungestört beobachtet werden können«, sagte Thünemann. Mit großem Interesse wurden die drei Glocken begutachtet. Die kleine läutet viertelstündlich. Die Mittlere ist die eigentliche »Betglocke«, die zum Vaterunser erklingt. »Vor dem Gottesdienst läuten alle drei Glocken«, erklärte Thünemann und lüftete das Geheimnis, warum die Glocken nach einer Beerdigung auf dem entfernten Friedhof immer pünktlich erklingen.
»Die Höhe des Glockenstuhl ist außerdem bewusst so gewählt, dass das Geläut bis Sielhorst, Varl, Alt-Espelkamp, Tonnenheide und manchmal Wehe zu hören ist.«

Er biete nach Voranmeldung auch Führungen in die Spitze des Turms - für schwindelfreie Personen - an, erklärte der Pfarrer. Dann könne man bis auf 40 Meter Höhe ins Innere des Turmes klettern.
Gleichzeitig mit dem Kirchturm hatte auch das ehemalige Kantorenhaus an der Langen Straße geöffnet. Die Rahdener Landfrauen servierten Kuchen auf der Deele und präsentierten bei der Gelegenheit ihr neues Backbuch. Im Mittelpunkt des Interesses standen die Führungen von Magdalene Kottenbrink, die das Leben im Lehrer- und Organistenhaus um das Jahr 1820 lebendig werden ließ. Einer der damaligen Bewohner (bis 1838) sei ein Lehrer Kunsemüller gewesen, der gleichzeitig Organist war und eine Aufgabe als »Post-Expediteur« wahrgenommen habe. »Die Kirche hatte damals die Schulaufsicht und stellte die Diensträume für den Lehrer«, erklärte Kottenbrink.

»Man muss erst einmal Begeisterung zeigen und sich dann Gedanken machen, wie man neue Pläne umsetzt«, sprach sie eine Initiative für das historische Ackerbürgerhauses aus dem Jahr 1810 an. »Es muss eine Idee her und die muss verwirklicht werden«, gibt sie sich für den Erhalt des seit 1981 denkmalgeschützten Hauses kämpferisch. »Das ist ein Zeugnis unserer Geschichte, ähnlich wie der Museumshof.«