Text und Foto: Anja Schubert
Seit mehr als 15 Jahren fühlen sich die „Flugkünstler der Nacht“ in den heiligen Hallen des Rahdener Gotteshauses heimisch. Gestern wurde die St. Johannis-Kirche in Rahden für das ehrenamtliche Engagement um die Wochenstube des „Großen Mausohrs“ auf dem Dachboden der Kirche vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) mit einer Urkunde und der Plakette „Lebensraum Kirchturm“ ausgezeichnet.
Sandra Meier vom NABU (links) überreicht Kirchmeisterin Sonja Wiebke und Pfarrer Rainer Rohrbeck eine Urkunde und die Plakette „Lebensraum Kirchturm“ für besondere Verdienste um die Fledermaus-Wochenstube auf dem Dachboden des Kirchenschiffes.
Seit vier Jahren gibt es das Projekt, das in Kooperation von Nabu und dem „Beratungsausschuss für das Deutsche Glockenwesen“ Gotteshäusern diese Auszeichnung für ihre Verdienste um verschiedene schutzwürdige Tierarten wie Fledermäuse, Schleiereulen, Dohlen und Wanderfalken verleiht. „Die St. Johannis-Kirche ist nach einem Gotteshaus in Bad Oeynhausen die zweite Kirche im Kreis Minden-Lübbecke, die für ihr besonderes Engagement für den Natur- und Artenschutz diese Auszeichnung erhält“, so Sandra Meier, Fledermausbeauftragte des Nabu für den Mühlenkreis. Auch die Marienkirche in Minden wird in Kürze ausgezeichnet.
„Bis zu 300 der kleinen Flugkünstler hat das Rahdener Gotteshaus in früheren Zeiten in einem Sommer beherbergt“, erinnert sich nicht nur Sandra Meier, sondern auch Pfarrer Rainer Rohrbeck und Kirchmeisterin Sonja Wiebke, die die Auszeichnung in Empfang nahmen. „Jetzt wohnen in den Sommermonaten nur noch rund 150 Exemplare auf dem Dachboden unseres Kirchenschiffes“, so Rohrbeck. „Die Lebensbedingungen werden ungünstiger.“
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Umso stolzer sind Artenschützer und Kirchenverantwortliche, dass sich das Große Mausohr auf dem Dachboden heimisch fühlt. Denn diese Fledermausart ist in Nordrhein-Westfalen nicht weit verbreitet. „Auf einem kleinen Landstrich von Osnabrück bis ins Hannoversche haben sie sich auch für unser, unter FFH-Schutz stehendes Fleckchen Dachboden entschieden“, freut sich Rohrbeck.
Damit alles verhältnismäßig sauber ist, wenn die Saisongäste zurückkehren, startete ebenfalls gestern eine Gruppe von fünf Freiwilligen des Nabu die Aufräuarbeiten auf dem Dachboden des Kirchenschiffs. „Fledermauskot ist zwar weniger aggressiv als Vogelkot, aber trotzdem muss die Wochenstube regelmäßig gereinigt und für eine ausreichende Lüftung gesorgt werden, denn es sammelt sich im Laufe des Jahres so einiges an“, erläutert Rohrbeck, während auf dem teilweise nur mit Leitern zugänglichen Gebälk die ehrenamtlich Aktiven eimerweise Fledermauskot entfernen. Bis zu 40 Zentimeter hoch lag er in den Zwischenböden. „Vom Geruch her alles andere als angenehm“, weiß auch Helfer Horst Fiene, der mit Mundschutz, Schaufel und Besen bewaffnet, unermüdlich zur Tat schreitet, während es sich die nachtaktiven Bewohner derzeitig anderweitig gut gehen lassen.
„Von Herbst bis Frühjahr überwintern die Mausohren unter Tage in den Stollen der Wiehen- und Wesergebirge“, erklärt Sandra Meier. Die Flugkünstler, die mit Ultraschall und Echolot durch die Lüfte navigieren, gingen am Boden durchaus auch Mal „zu Fuß“ auf Beutejagd, berichtet Meier weiter. „So jagen sie zum Beispiel dicht über dem Boden schwarze Laufkäfer, die sie am Rascheln des Laubes erkennen. Denn Laufkäfer sind das Grundnahrungsmittel, zu dem sich dann das jeweilige Insektenangebot der Saison gesellt.“ Daher sind die Jagdgebiete des Großen Mausohres vorzugsweise alte Laubwaldbestände, derer es immer weniger gibt.
„Wenn Anfang April die Mausohrenweibchen zur Aufzucht ihrer Jungen in unsere Wochenstube zurückkehren, gelten in St. Johannis wieder besondere Regelungen“, so Rohrbeck. Dann darf der Dachboden vorübergehend nicht betreten werden, um die Aufzucht nicht zu stören.





