Der Kirchturm ist nicht nur einer der markantesten Punkte Rahdens, er ist mit seiner leicht geschwungenen und etwas krummen Form unverwechselbar. Der Zahn der Zeit ist auch an ihm nicht spurlos vorüber gegangen, so dass in den nächsten Jahren umfangreiche Sanierungsmaßnahmen ins Haus stehen. Nachdem dies in die Öffentlichkeit gedrungen ist, erreichen uns mehr und mehr zweckgebundene Spenden. Aber wird das reichen? Ist es noch glaubwürdig davon zu reden, dass man kein Geld habe, wenn an anderen Orten 50 Millionen Euro „gefunden“ werden? Die Ev.-Luth. Kirchengemeinde gehört nicht zu den armen Kirchengemeinden im Kirchenkreis. Vielleicht kann man sie mit einem durchschnittlichen und gutsituierten privaten Haushalt vergleichen. Wir sind mit Gebäuden gut ausgestattet. Haben zusätzliche Einkünfte durch Mieten, Pachten und Zinsen. 25% davon fließen in unseren Haushalt und 75% in den Gesamthaushalt des Kirchenkreises. Damit kommen wir unseren Verpflichtungen der Solidargemeinschaft nach. Vieles würden wir uns gern leisten. Für einiges müssen wir lange sparen. Anderes, wie z.B. größere und kleinere Reparaturen, können wir aus dafür eigens gebildeten Rücklagen schnell anpacken und umsetzen. Mit dem Presbyterium haben wir Menschen, die nicht nur für den Moment planen, sondern immer auch bedacht sind, längerfristige Ziele zu verfolgen, um möglich nah bei den Menschen zu bleiben. Anderes muss liegenbleiben, immer wieder verschoben werden und schließlich muss man sich von dem einen oder anderen Grundstück oder Objekt auch verabschieden.
Bei dem Kirchturm der St. Johannis-Kirche, wie auch bei allen anderen Kirchen in unserer Gemeinde, liegt natürlich ein besonderes Interesse vor. Hier geht es nicht nur um die Gebäudeerhaltung, sondern ihnen entsprechend ihrer Nutzung ein würdiges Äußeres zu geben. Es ist schon jetzt abzusehen, dass der größte Teil der Kosten für die Kirchturmsanierung allein von der Kirchengemeinde aufzubringen ist. Anträge an diverse Institutionen und Vereine werden gestellt, aber am Ende ist es die Gemeinde vor Ort und damit wir als Gemeindeglieder, die wir die Verantwortung für unsere Gottesdienststätten tragen. Es mag eine große Last sein, so einen Kirchturm aus dem 16. Jahrhundert sanieren zu müssen. Aber dennoch bietet dieses Vorhaben die große Chance, uns einmal mehr zu hinterfragen, was uns die Kirche, bzw. die Kirchen, und damit unsere Gottesdienste wirklich bedeuten. Im Vorwort zum Buch „650 Jahre St. Johannis-Kirche zu Rahden“ schreibt Pfarrer Körling Lansky „Wenn die Kirchenmauern erzählen könnten!“ Am Ende sind die baulichen Vorhaben mehr als nur eine Investition in Steine. Am Ende investieren wir in das Leben unserer so unverwechselbaren Kirche, deren Markenzeichen ihr etwas krummer Turm ist






