Zeichen des Fortschritts im „Land der Amputierten“

Wie sich Sierra Leone zehn Jahre nach einem grausamen Krieg langsam wieder von seinen Wunden erholt.

Zwischen 1991 und 2001 tobte in Sierra Leone ein Bandenkrieg. Zwei von sechs Millionen Einwohnern des kleinen westafrikanischen Landes mussten fliehen. Der Konflikt forderte wohl mindestens 200.000 Tote, auch wenn eindeutige Angaben dazu unmöglich sind. Durch die besonders brutalen Gewalttaten mit Macheten wurden unzählige Menschen verstümmelt. Traurige Berühmtheit erhielten die „Amputierten“: Menschen, denen Hände und/oder Arme abgehackt wurden. Außerdem wurde eine ganze Generation von Kindersoldaten zwangsrekrutiert und traumatisiert. Der Hollywood Film „Blood Dimond“ mit Leomardo DiCaprio zeigt dies sehr authentisch.

Zehn Jahre nach diesem mörderischen Krieg erholt sich Sierra Leone langsam von seinen Wunden. Auch wenn der UN-Entwicklungsindex (Human Development Index – HDI) das Land immer noch zu den ärmsten der Welt zählt, ist die politische Situation mittlerweile relativ stabil. Das Sondertribunal für Sierra Leone am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag hat die Prozesse um die Kriegsverbrechen beinahe beendet. Der letzte Prozess um Charles Taylor, den ehemaligen Präsidenten von Liberia, wird wohl noch 2011 abgeschlossen.
Taylor ist angeklagt wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die er unter anderem in Sierra Leone begangen hat.

Unterstützt von der internationalen Gemeinschaft und von humanitären Organisationen, zeigt das Land trotz der Armut in einigen Bereichen Zeichen sozialen und wirtschaftlichen Fortschritts.

Ein Brunnen für Sierra Leone

Der CVJM-Rahden unterhält seit 25 Jahre eine Partnerschaft mit dem YMCA-Bo. Mit der Unterstützung aus Deutschland wird seit den Anfängen eine Lehrwerkstatt für junge Frauen unterhalten. Sie lernen dort das Färben von Stoffen und das Schneiderhandwerk. Dieses Projekt konnte auch während des Bandenkrieges weitergeführt werden. Nach dem Bandenkrieg konnte der YMCA-Bo ein eigenes Vereinshaus bauen 8auf dem Bild links zu sehen), in dem auch die Lehrwerkstatt untergebracht ist. Zur Zeit wird eine Mauer um das Haus gebaut zur Befriedung. An drei Seiten ist die Mauer schon fertig. Zur Straße hin müssen noch ein paar Reihen Steine gemauert werden und ein stabiles Tor eingebaut werden. Da die Not für viele Menschen in Sierra Leone noch sehr groß ist, sind Diebstahl und Raubüberfälle manchmal die einzige Möglichkeit, für sich und die Familie zu sorgen. Darum muss jeder in Sierra Leone seinen Besitz schützen. (Auf der anderen Straßenseite sieht man eine Hohe Mauer mit Stacheldraht bewehrt.). Der YMCA-Bo ist sehr glücklich, dass sie dieses Haus mit der Mauer nun haben. Ein nächster Schritt ist der Bau eines eigenen Brunnens direkt neben dem Haus. Obwohl Sierra Leone kein Wasserarmes Land ist, gibt es Wasser nicht in ausreichender Menge. Es muss beschwerlich von weiter her geholt werden. Für das Färben der Stoffe wird viel Wasser benötigt, dass von den jungen Frauen in Krügen von Wasserstellen geholt wird. Aber nicht nur für die jungen Frauen wird der eigene Brunnen eine Erleichterung sein. Auch für die Kindergruppen und den geplanten Kindergarten im YMCA-Haus wird der Brunnen eine wertvolle Bereicherung sein. Während eines Besuches von CVJM-Mitgliedern aus Deutschland wurde mit dem Bau des Brunnens begonnen. Der Vorsitzende des YMCA-Bo bedankt sich mit den Worten: „May God bless us all and keep us alive!“ mit deren Hilfe dieser Brunnen gebaut werden kann.

Der Entwicklungsindex von Sierra Leone

  • Trotz aller Fortschritte belegte Sierra Leone 2010 nur Platz 158 von 169 im HDI, dem Index des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen.
  • 48 Jahre beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung in Sierra Leone
  • 53 % der Bevölkerung leben von weniger als 1,25 US$ pro Tag
  • 87 % der Bevölkerung lebt ohne Anschluss an die Kanalisation
  • 51 % der Bevölkerung haben keinen Zugang zu Trinkwasser
  • 3 Jahre besuchen Kinder in Sierra Leone durchschnittlich die Schule