Fotos und Text: Anja Schubert

„Was der Sonnenschein für die Blumen ist, das sind lachende Kindergesichter für die Menschen“ – Der Spruch auf der Erinnerungstafel des Elternrates fasste es eigentlich schon zusammen: Mehr als vier Jahrzehnte hat Waltraud Kaspelherr dieses Motto gelebt. Am Samstag wurde die Leiterin des evangelischen Kindergartens „Sonnenstrahl“ mit einem Gottesdienst und einer kleinen Feierstunde in der St. Johanniskirche in den Ruhestand verabschiedet. Kinder und Kolleginnen, Eltern und Ehrengäste nutzten die Gelegenheit, ihr ganz persönlich Danke zu sagen, für die geleistete Arbeit und für die Spuren, die sie mit ihrem Wirken noch lange hinterlassen wird.

Ein Abschied nach so vielen Jahren ist nicht leicht. Daher sorgten die Mädchen und Jungen der Einrichtung, Kolleginnen, Eltern und ihr verbundene Ehrengäste dafür, dass der Weg in den Ruhestand für sie unvergessen bleibt. Das Krippenspiel im vorangegangenen Gottesdienst war dabei nur ein Tüpfelchen auf dem „i“. Gerührt nahm Kaspelherr von den Kindern und Kolleginnen ein Windlicht in Empfang, das symbolisch Licht und Sonne in ihrem neuen Lebensabschnitt leuchten lassen solle.

Gratulation von Jutta Hovemeyer und Elisabeth Halwe-Grote.

Jutta Hovemeyer vom Trägerverbund und Kreissynodalvorstand zeichnete den beruflichen Lebensweg Kaspelherrs nach. Nach dem Anerkennungsjahr 1974/75 im Kindergarten an der Schulstraße, dem heutigen „Löwenzahn“, trat sie dort auch ihren ersten Dienst an, wurde noch im selben Jahr zur stellvertretenden Leitung bestellt. Anfang April 1980 übernahm sie die Leitung des „Sonnenstrahl“-Kindergartens am Brullfeld. „Ein ganzes langes Dienstleben in Rahden.“ Bewegung habe die Einrichtung all die Jahre geprägt, nicht nur im Sinne der Zertifizierung zum Bewegungskindergarten. „Sie selbst und das Team haben vieles bewegt, auf veränderte Rahmenbedingungen positive reagiert und den Leitgedanken des Trägerverbundes „Kirche bewegt, was Kinder bewegt“ mit Leben gefüllt.

Bleibende Spuren hinterlassen

Danke, Danke, Danke. - Die Worte des Lobes und der Wertschätzung wollten nicht enden. Vor allem eines wurde bei allen Gratulanten deutlich: Jemand der sein Leben und Wirken so mit ganzem Herzen in den Dienst der Kinder gestellt hat und damit die Einrichtung gut geprägt hat, wird noch lange bleibende Spuren hinterlassen. „Sonnenstrahl und Kaspelherr gehört zusammen wie Himmel und Erde, Sonne und Mond, Hase und Igel“, fasste Gemeindepfarrer Udo Schulte bildhaft zusammen.

Mit einer Hochseilartistin verglich Kirsten Gehrmann vom Elternrat das Wirken der scheidenden Einrichtungsleiterin. „Es gehörten artistische Höchstleistungen dazu, die Balance zwischen sich und den Kindern, den Kindern untereinander und selbiges bei den Eltern zu finden. „Die Arbeit mit Kindern ist einer der schönsten und zugleich anstrengendsten Berufe der Welt“, bescheinigte der Rahdener Kinderarzt und Vater ehemaliger Kindergartenkinder Michael Reifenscheidt Kaspelherr, dass sie diese Herausforderung mit Bravour gemeistert habe. Die „große Kompetenz und Umsichtigkeit“ lobte auch Rahdens stellvertretender Bürgermeister Wilhelm Kopmann. Kaspelherr habe die Kita zu einer unverzichtbaren Spiel- und Begegnungsstätte aufgebaut, in der die Kleinen wachsen und sich entfalten könnten. „Wurzeln und Flügel sollen Kinder haben“, erinnerte er mit den Worten Goethes an den Bildungsauftrag des Förderns und Forderns.

"Ich hatte ein ganzes Dorf um mich herum"

Sichtlich überwältigt ergriff Waldtraud Kaspelherr zum Schluss selbst das Wort und dankte allen für die ihr entgegengebrachte Herzlichkeit und Wertschätzung. Sie habe ihr Lob immer in der Arbeit erfahren. Viel Heiteres in der Arbeit mit Eltern und dem Team, aber auch kurioses mit Architekten und Handwerkern habe sie erlebt, wenn es darum ging, die Einrichtung zu erweitern. „Das wichtigste aber waren und sind die Kinder“, stellte sie heraus. „Um ein Kind zu erziehen bedarf es ein ganzes Dorf. Ich habe ein solches um mich herum gehabt.“ Selbstkritisch und bescheiden nahm sie ihre Arbeit unter die Lupe. „Ich habe die Meßlatte immer recht hoch gelegt. So haben wir als Team viel bewegt, aber auch mir ist nicht immer alles geglückt. Wir sind an den Misserfolgen gewachsen und mein Team war das Netz, was mich dann aufgefangen hat.“

Aus der Fülle der Erinnerungen und Begegnungen sei für sie die Zertifizierung zum Bewegungskindergarten das bedeutsamste gewesen, so Kaspelherr spontan auf die Frage nach unvergessenen Momenten. „Das war einfach nur toll.“ Ebenso wie der erste Schritt in die Modernität. „Als ich anfing wurden wir Erzieherinnen von den Kindern noch Tante genannt. Ich war die erste, die sie Frau nannten.“
„Sie haben für diesen Kindergarten gelebt, berufliches und privates nicht getrennt“, sprach Mettenbrink einen letzten Dank, bevor er die Einrichtungsleiterin von ihren Aufgaben entpflichtete und der gesellige Teil des Nachmittags im „Sonnenstrahl“ fortgesetzt wurde.