Frau O. ist nach längerer Krankheit mit 82 Jahren im Altenheim verstorben. Ihr Sohn lebt mit seiner Familie in der Nachbargemeinde, ihre ledige Tochter wohnt vier Autostunden entfernt. Von einem Tag auf den anderen ist nun plötzlich vieles zu regeln. Wo soll Frau O. beigesetzt werden? Wie soll der Abschied gestaltet werden? Wer soll zur Trauerfeier eingeladen werden? Und was kostet eigentlich eine kirchliche Bestattung?Familie O. steht vor wichtigen Entscheidungen. In früheren Zeiten gab es rund um Tod und Bestattung viele Bräuche und Traditionen, die mitten in dieser Umbruchsituation Halt und Hilfe boten. Heute ist manches davon auch in unserer ländlichen Region nicht mehr selbstverständlich. Deshalb sollen im Folgenden einige Punkte hervorgehoben werden, die die kirchliche Mitwirkung im Trauerfall betreffen:

1. Als Kirchengemeinde und als Pfarrerinnen und Pfarrer begleiten wir unsere Gemeindeglieder auch in dieser Grenzsituation des Lebens. Dies beginnt bereits mit der sogenannten Aussegnung, der Verabschiedung des Verstorbenen aus dem Trauerhaus im Kreise der Angehörigen und Nachbarn. Hierfür sind Pfarrer bzw. Pfarrerin die ersten Ansprechpartner.

2. Wer Mitglied der evangelischen Kirche ist, hat ein Recht auf eine kirchliche Bestattung - auch dann, wenn die Angehörigen keine kirchliche Bindung haben.

3. Umgekehrt gilt, dass mit dem Austritt aus der Kirche auch auf das Recht einer kirchlichen Bestattung verzichtet wird. Die Kirche bemüht sich allerdings auch in diesem Fall um eine seelsorgliche Begleitung der Angehörigen.

4. Für die Gestaltung der kirchlichen Trauerfeier erhebt die Kirche keine Gebühren. Lediglich für die Raumnutzung ist eine Pauschale zu entrichten, die sich nach der städtischen Gebührenordnung für Friedhofskapellen richtet.

5. Im Gottesdienst zur Bestattung wird an den Verstorbenen erinnert und die Hoffnung auf die Auferstehung von den Toten verkündigt. Gleichzeitig haben Familie und Weggefährten die Gelegenheit, Abschied zu nehmen und den Rückhalt der Gemeinschaft zu erleben. Selbst wenn die Trauerfeier nicht mit dem Gang zum Grab endet, sondern erst einige Tage später eine Urne im engsten Kreis beigesetzt wird, ist es die selbstverständliche Aufgabe von Pfarrerinnen und Pfarrern, die Hinterbliebenen bei diesem Gang zu begleiten und am Grab den Sieg über den Tod zu verkündigen. Auch dieser Dienst ist kostenfrei.

6. Im Sonntagsgottesdienst wird die Gemeinde über sog. kirchliche Amtshandlungen (Taufen, Trauungen, Bestattungen) informiert. Wenn eine kirchlich begleitete Trauerfeier stattgefunden hat, wird der Name des Verstorbenen noch einmal verlesen und in die Fürbitte aufgenommen. So kann auch die Ortsgemeinde von einem ihrer Mitglieder Abschied nehmen.

Familie O. hat sich gleich nach Erhalt der Todesnachricht mit der zuständigen Seelsorgerin in Verbindung gesetzt. In einem ausführlichen Gespräch konnten viele Fragen geklärt und darüber hinaus eine sehr persönlich gehaltene Trauerfeier vorbereitet werden. So konnten am Ende alle, die der Verstorbenen verbunden waren, getröstet und gestärkt Abschied nehmen.