Text und Fotos: Anja Schubert

„Weißt Du noch …?“ – Viele Erinnerungen an die vergangenen Jahrzehnte wurden wach, als sich am Mittwoch mehr als 100 Frauen der Frauenkreise Varl-Varlheide, Alt Espelkamp und Sielhorst im Sielhorster Dorfgemeinschaftshaus zusammenfanden, um in geselliger Runde das 40-jährige Bestehen ihrer Gemeinschaften zu feiern. Wie es seit vier Jahrzehnten Tradition ist, mit Kaffee, Kuchen, Klönen, Gesang und einer vorangehenden Andacht. Zu dem feierlichen Anlass konnte Gemeindepfarrerin Gisela Kortenbruck auch den damaligen Pfarrer i.R., Paul Gerhard Tegeler und seine Ehefrau Marlis, sowie einige Frauen der ersten Stunde begrüßen.

40 Jahre Frauenkreise Rahden-West im Frühjahr 2013

Frauen der ersten Stunde: Pfarrerin Gisela Kortenbruck (l.) und Pfarrer i.R. Paul Gerhard Tegeler freuten sich, wenige Gründungsmitglieder aus allen drei Kreisen begrüßen zu können. Foto: Schubert

„In Rahden gab es bereits eine Frauenhilfe-Gruppe, die dem Verband der Frauenhilfen angeschlossen war“, erinnert sich Marlis Tegeler. „Doch Autos waren damals noch rar gesät und der Weg von den Außenbezirken bis nach Rahden für Ältere Menschen bei Wind und Wetter beschwerlich.“ Pfarrer Tegeler ging dem Wunsch der Bevölkerung nachkommend das Wagnis ein, in den einzelnen Ortschaften eine Zusammenkunft für Frauen zu schaffen, damit auch für sie in der Zeit, in der die Dörfer durch die Gebietsreform ihre Selbstständigkeiten verloren, eine Kommunikations- und Informationsplattform geschaffen wurde. „Die Männer fanden eine solche bereits in den Schützen- und Kriegervereinen. Das Wagnis glückte mit großer Resonanz: Mit 47 Frauen starteten im Oktober 1972 zunächst der Frauenkreis Varl/Varlheide, kurz darauf die Gruppe in Sielhorst mit 59 und ein Jahr später die Alt-Espelkämper Gruppe mit 62 Frauen. „Das war überwältigend“, freut sich Tegeler noch heute und dankbar: „Wir haben den Frauenkreisen viel zu verdanken. Denn in ihnen wurde und wird viel für andere und für die Gemeinschaft getan.“
„Nicht nur das in den Frauenhilfen alle neuen christlichen Lieder einstudiert wurden, die Frauen halten Augen und Ohren offen, wenn jemand im Dorfe Hilfe braucht, wo es Probleme gibt und tragen gleichzeitig die wichtigsten kirchlichen Neuigkeiten und Themen sowie Nachbarschaftliches in die Dorfgemeinschaft hinein, geben neue Impulse“, unterstrich Kortenbruck. Zu Zeiten, da es noch keine Gemeinde- oder Dorfgemeinschaftshäuser in den Orten gab, habe man, teilweise bis heute, die Wirtshäuser genutzt. „Die Frauenkreise sind auch heute noch unabdingbarer Bestandteil der dörflichen Gemeinschaft.“ Neben den monatlichen Treffen erfreuen sich insbesondere die halbjährlichen Ausflüge und das jährliche Treffen aller drei Kreise großen Zuspruchs.

Pfarrer i.R. Tegeler hatte den Frauen ein ganz besonderes Geschenk zum Jubiläum mitgebracht: Fotos aus den Gründungsjahren, die Gisela Kortenbruck zu einer kleinen Leinwandpräsentation zusammengestellt hatte, weckten Erinnerungen an so manch schöne Ausfahrt und beförderten kleine Anekdoten zu Tage. „Von Röckebildern zu Hosenbildern“, stellte eine Teilnehmerin den Wandel der Zeit treffen fest. „Es war toll, endlich eine Gruppe für uns Frauen zu haben“, erzählt Hertha Hollle vom Sielhorster Frauenkreis. Sie brachte Pfarrerin Kortenbruck erst auf den Trichter, das nunmehr das 40-jährige Bestehen ins Haus stand. Auch einige weitere Gründungsmitglieder der drei Gruppen erinnerten sich freudig an die Anfänge. Die Zeit verging, die Pfarrer wechselten. Auf Pfarrer Tegeler folgten die Kollegen Dietrich und Milstein. Aus Frauenhilfen wurden Frauenkreise, Gisela Kortenbruck übernahm die Leitung der Zusammenkünfte. „Aber die Frauen bleiben ihren Kreisen treu“, freute sich die Pfarrerin und wünschte sich, dass dies auch noch lange Jahre weiterhin so bliebe. Auch wenn die Gruppen kleiner geworden seien, und man daher die Ganz- und Halbtagesausflüge jetzt gemeinsam unternehme.