In Zeiten, in denen die Kriegsherde dieser Welt immer mehr werden, sind Zeichen des Friedens besonders wichtig. In Varl gibt es seit 1904 eine Eiche, die von ehemaligen Soldaten als Hoffnungszeichen und zur Mahnung zum Frieden gepflanzt wurde. Sie findet sich nahe des Varler Ortskerns in der Nähe der Adresse „Zur Friedenseiche 6“ und ist an der Umfriedung
zu erkennen. Ortsheimatpfleger Reinhard Stevener hat vor 10 Jahre ein Gedicht dazu geschrieben, das gerade in diesen Tagen hochaktuell ist. Gerade in einer Welt, die vor lauter Krieg und Gewalt aus den Fugen zu geraten scheint, sind solche
Orte der Erinnerung und Zeichen der Friedenshoffnung wichtig.
Es mag sein, dass viele unserer Leser diesen Baum gar nicht kennen. Es ist auch keine Initiative der Kirchengemeinde gewesen, diesen Baum zu pflanzen. Aber der Baum mahnt, auch wenn er gar nicht sehr groß ist, uns alle zum Frieden. Denn „Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ (Mt 5,9)

Bizarr verästelt, einem Krauskopf gleich,
inmitten Varl thront unser Eich.
Von manchem Bürger nicht bemerkt,
von vielen aber hoch verehrt.

Gestalt und Wuchs nicht grad eine Zier,
doch im Jahre 1904,
wollten viele einen Friedensbaum;

denn Frieden ist ein Menschheitstraum.

Nach den Kriegen im 19. Jahrhundert,
dieses Verlangen uns nicht verwundert.
Viele Menschen litten große Not
und manch junger Mensch den frühen Tod.

Auch heutzutage höchst verständlich,
denn Frieden ist so schnell vergänglich.
Sieht man die Welt so momentan,
vom Kongo bis Afghanistan:

Streit und Krieg an allen Tagen,
doch niemand hört der Menschen Klagen.
Menschen sind Menschen – egal welcher Rassen,
sie sollten Freund sein und sich nicht hassen.

Die Politiker, sie führen den Krieg,
nicht auf dem Schlachtfeld, sie denken an Sieg.
Immer von Einfluss und Macht beseelt,
man friedliche Menschen den Kampf befiehlt.

Friede auf Erden wird es nie geben,
solange Menschen unter uns leben,
die das Weinen nicht hören, das Elend nicht seh`n,
und beim Streben nach Macht über Leichen geh`n.

Drum sollten wir die Friedenseiche
betrachten als des Leben`s Weiche;
als lebendes Mahnmal für Alt und Jung,
als Sinnbild für Frieden und Aussöhnung.

Reinhard Stevener

Weitere Infos zur Friedenseiche

In der Jahreshauptversammlung der Kameradschaft ehem. Soldaten Varl im Jahre 1977 ließ der 1. Vorsitzende Heinrich Bommelmann einige Daten aus der Vereinsgeschichte Revue passieren. So teilte er der Versammlung unter anderem mit, dass Altbürgermeister Fritz Rüter vor kurzem angeregt habe, sich doch einmal nachhaltig um die Varler Friedenseiche zu kümmern. Nicht alle wüßten von dieser besonderen Eiche, geschweige, wann, von wem und zu welchem Zweck sie angepflanzt worden sei, so Rüter.

Der Baum – nicht besonders rank, eher ein Krauskopf – so Heinrich Bommelmann, stehe in der Nähe des Feuerwehrgerätehauses, an einer Straßeneinmündung gegenüber dem Anwesen Gerkens Nr. 163 (heute: Zur Friedenseiche 6). Der Platz gehöre zum ehemaligen Schulgrundstück, es handele sich somit um eine öffentliche Fläche im Eigentum der Stadt Rahden. Der Standort, so Heinrich Bommelmann weiter vor den Mitgliedern der Kameradschaft, sei sehr ungünstig, weil er sich dicht neben der Kreisstraße nach Sielhorst befinde. Zu leicht sei die Möglichkeit gegeben, dass der Baum durch einen Verkehrsunfall beschädigt oder aus sonstigen straßentechnischen Gründen verletzt oder auch aus Unkenntnis unbedacht gefällt werde. Deshalb sei es unabdingbar, die Friedenseiche im Ort und auch bei den betreffenden Behörden und Stellen ihrer Zweckbestimmung entsprechend bekannt zu machen. Bommelmann betonte, dass viel mehr als die Bezeichnung „Friedenseiche“ zunächst auch ihm nicht geläufig gewesen wäre und es ihm deshalb lohnend erschienen sei, einmal nach dem „Wann“ und „Warum“ zu forschen.

In der Hoffnung, die Varler Kriegerkameradschaft könne etwas mit der Friedenseiche zu tun haben, hat sich Heinrich Bommelmann also die alten Versammlungsprotokolle vorgenommen. Im Protokoll der Generalversammlung vom 03. Januar 1904 fand er dann die entscheidende Notiz: „Nach Beschluß soll in unserem Vereinsbezirk eine Friedenseiche gepflanzt werden, im kommenden Frühjahr
.“

Die Eiche ist dann allem Anschein nach im Frühjahr 1904 auf dem Schulgrundstück gepflanzt worden. Bereits damals, so Bommelmann, hätten ehemalige Soldaten und Reservisten nach den Kriegen von 1864, 1866 und 1870/71 die Notwendigkeit der Friedensliebe zu ihrem Anliegen gemacht.

Möglicherweise fand Bommelmann beim Durchblättern der Chronik auch den Grundstein des MGV „Harmonie“ Varl, der 1977 auf eine 55-jährige Vereinsgeschichte zurückblicken konnte. 1921 errichtete der Varler Kriegerverein das Alte Kriegerdenkmal. Zu dessen Weihe wurde eigens eine Sängergruppe zusammengestellt.

Ende der 1970er Jahre wurde das Umfeld der Friedenseiche mit einer halbseitigen Absperrkette optisch gesichert. Außerdem wurden niedrig wachsende Sträucher und Bodendecker angepflanzt. Im Jahre 2002 hat der Heimatverein im Bereich der Friedenseiche eine Sitzbank aufgestellt. Die Ehel. Gerkens haben Blumen gepflanzt und den Platz mit Steinen liebevoll gestaltet. Auch die Pflege dieses Platzes wird von Willi und Hannelore als Nachbarn durchgeführt.


Die Tatsache, dass die Friedenseiche bei vielen Varler Bürgern nicht bekannt ist – insbesondere bei der jüngeren Generation und den sog. Neubürgern –, hat mich im November 2006 inspiriert, ein Gedicht zu schreiben, im dem ich vor allem auch die symbolische Bedeutung der Friedenseiche zum Ausdruck bringen wollte.

Reinhard Stevener