Seit Ostern 1986 hat Jan Frerichs an der Sielhorster Orgel seinen Dienst getan. Nun möchte er sein Amt abgeben und wird deshalb im Sielhorster Ostergottesdienst am Ostermontag verabschiedet. Aus diesem Anlass führte Pastorin Kortenbruck ein Interview mit dem Jubilar:

K (= Kortenbruck): Herr Frerichs, seit 25 Jahren versehen Sie hier in Sielhorst den Orgeldienst...

F (= Frerichs): Weil es sonst hier in Sielhorst niemanden gab, der Orgel spielen konnte, habe ich schon gleich nach dem Bau der Friedhofskapelle drei Jahre lang den Gottesdienst begleitet, damals noch an einer elektronischen Orgel. Fest den Orgeldienst übernommen habe ich am 20. April 1986, dann schon an der Pfeifenorgel, die auch jetzt noch in Sielhorst steht. Zu Ostern werden das 25 Jahre. Ich bin dann 70 Jahre alt und möchte den Dienst abgeben.


K: Welche Ereignisse sind Ihnen aus diesen 25 Jahren besonders in Erinnerung geblieben?

F: Als ich anfing, hatte Werner Milstein gerade als Pastor hier angefangen. Mir fiel hinter der Orgel auf, dass in der Gemeinde eine schöne, klare Stimme sang - die seiner Frau. Wir haben später viel zusammen in verschiedenen Konzerten musiziert. Es gab hier in Sielhorst auch im Gottesdienst manch-mal besondere Musik. Dazu hat auch der Sielhorster Gesangverein beigetragen. Zunächst gab es einen Männer- und einen Frauenchor unter der Leitung von Günter Mön-kedieck. Beide haben dann immer öfter zusammen gesungen. Manch-mal hat auch Christiane Friedrich-Milstein gesungen, oder Urte Dankmann hat Cello gespielt, und ich habe sie an der Orgel begleitet. Wir haben zusammen Blockflöte gespielt, oder sie hat die Orgel gespielt und ich habe dazu gesungen. Auch im Paul-Gerhardt-Haus gab es interessante Musikprojekte, z.B. einen Abend der Erinnerung an den Holocaust, an dem ich jiddische Lieder sang. Der Gesang ist meine wichtigste und liebste Betätigung. Einmal gab es ein ganz besonderes Konzert mit Chor, Solisten und Instrumentalisten. Dieses Konzert war wohl der musikalische Höhepunkt in der Sielhorster Kapelle und ist bei vielen noch in lebhafter Erinnerung.

K: Die Kirchenmusik nimmt in Ihrem Leben ja einen breiten Raum ein. Warum ist das so?

F: Ich bin in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen, in dem viel gesungen wurde, auch viele Choräle. Ich besuchte einen Kinderchor, den Schulchor und dann mit 18 Jahren den Kirchenchor. Eine gründliche musikalische Ausbildung erhielt ich in meinem Lehrerstudium in Bielefeld.
Ich bin eigentlich in die Musik hineingeboren - aber ohne Zwang und mit viel Freude. Die Nabelschnur, die mich an der Kirche und der Gemeinde gehalten hat, war immer die Musik. Als Lehrer an der der Martinsschule in Espelkamp habe ich auch Religionsunterricht gegeben. Da ist mir durch den Unterricht vieles in der Bibel klar geworden. Die Intensität des Glaubens, die wechselt im Laufe des Lebens öfter mal - manchmal steht man tief im Glauben, manchmal fragt man sich auch: Wo wohnt der liebe Gott? - aber die Musik bleibt. Ich habe das Orgelspiel immer auch als Verkündigung verstanden.

K: Herr Frerichs, ich danke Ihnen für das Gespräch und wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute und Gottes Segen.