Blick auf Rahden 1997

Auf der Tagung der Kreissynode am 30. Januar 1978 wurde der Inhaber der 3. Pfarrstelle der Kirchengemeinde, Herr Pfarrer Paul-Gerhard Tegeler, zum neuen Superintendenten des Kirchenkreises Lübbecke gewählt. Sechzehn Jahre hatte er als Seelsorger in der Gemeinde gewirkt und insbesondere das gemeindliche Leben in den Ortschaften Alt-Espelkamp, Varl, Varlheide und Sielhorst gefördert. Als Nachfolger konnte die Gemeinde am Erntedankfest desselben Jahres in den Gottesdiensten in Varl und Sielhorst Herrn Pastor Hans-Hermann Dittrich aus Schwelm begrüßen, der sechs Jahre seinen Dienst im Pfarrbezirk West versah und anschließend eine Pfarrstelle in der in der Ev.-Luth. Kirchengemeinde Mennighüffen übernahm.

Am Reformationsfest des Jahres 1978 wurde zum ersten Mal ein festlicher Abendgottesdienst in der St. Johannis-Kirche gefeiert, in dem Herr Hauptpastor Carl Malsch aus Hamburg die Predigt hielt, Der Gottesdienst am Gedenktag der Reformation wurde in den folgenden Jahren zu einer festen Tradition im Leben der Gemeinde. Er wird von der Kantorei und vom Posaunenchor musikalisch ausgestaltet, für den Verkündigungsdiesnt konnten immer wieder namhafte Prediger aus dem Gesamtbereich der Evangelischen Kirche in Deutschland gewonnen werden.

Museumshof

Zu den festen Traditionen im gottesdienstlichen Leben wurden auch die Plattdeutschen Gottesdienste, die einmal im Jahr am Museumshof in Rahden und an der Bockwindmühle in Wehe gefeiert und von den Gemeindegliedern gut besucht werden. Es fällt auf, dass der Besuch der Gottesdienste an den "klassischen" Festtagen wie am Karfreitag und an den beiden Feiertagen der kirchlichen Hochfeste im Vergleich zu den Sonntagen häufig bedeutend geringer ist. In etlichen Gottesdiensten innerhalb des Kirchenjahres wirken die Chöre der Gemeinde mit, deren Mitglieder immer wieder in selbstverständlicher Treue zur Stelle sind.

Im Jahr 1978 wurde die Jugendarbeit dem neu belebten CVJM übertragen, der dreißig Jahre zuvor in der Kirchengemeinde Rahden gegründet worden war. Fortan wurde sie von einem hauptamtlichen Jugendreferenten - zwischenzeitlich von einer Jugendreferentin - geleitet, unterstützt von einem Team ehrenamtlicher junger Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. In den Krabbel-, Kinder- und Jungschargruppen kommen wöchentliche ca. siebzig Jungen und Mädchen zusammen. Diese Gruppen feiern regelmäßig Gottesdienste, von Zeit zu Zeit werden Kinderfilmtage, Konzerte und Mit-Mach-Aktioen angeboten. Einen guten Zuspruch finden die offene Jugendarbeit und das Internet-Café.

Seit dem Jahr 1983 ist der CVJM in einer Partnerschaft mit dem YMCA Bo Central Church in Sierra Leone in Westafrika verbunden. Regelmäßige Briefkontakte, gegenseitige Besuche und Gebete füllen die Partnerschaft mit Leben. Das "Café für Bo", das jährlich im Rahmen des Rahdener Trödelmarktes veranstaltet wird, wird von vielen Gemeindegliedern unterstützt und geren besucht. Sein Erlös kommt einem Ausbildungsprojekt für jugen Frauen in Bo zugute, das vom dortigen Partnerverein unterhalten wird.

Christuskirche Tonnenheide

Tonnenheider Kirchweg 1, 32369 Rahden-Tonnenheide

Das Jahr 1986 brachte Wechsel in der Pfarrerschaft. Am Sonntag Reminscere wurde Herr Pfarrer Karl-Heinz Röhling im Gottesdienst in der Christuskirche in Tonnenheide verabschiedet. Einundzwanzig Jahre hatte er im Pfarrbezirk Ost in den Ortschaften Tonnenheide und Wehe gewirkt. Seine Frau hate in beiden Ortschaften jeweils einen Frauenchor ins Leben gerufen. Die Nachfolge im Pfarrbezirk Ost übernahm das Pfarrerehepaar Micaela Strunk-Rohrbeck und Rainer Rohrbeck. In die seit dem Sommer 1984 vakante Pfarrstelle im Pfarrbezirk West wurde zm 1. April 1986 Herr Pastor Werner Milstein vom Landeskirchenamt entsandt. Im Juni des folgenden Jahres wurde er als Pfarrer in sein Amt eingeführt.

Orgel Rahden von 1789

Ein Höhepunkt im Gemeindeleben der beiden Pfarrbezirke in Rahden-Mitte war die Festwoche im Oktober 1989 anlässlich des 200-jährigen Bestehens der St. Johannis-Kirche in ihrer heutigen Gestalt. Im Orgelprospekt steht die Zahl 1789. Indiesem Jahr fand eine umfangreiche Renovierung der Kirche statt. Ihr Innenraum wurde völlig neu gestaltet. Darüber ist in der Kirchenmatrikel vermerkt: "Anno 1788 wurde dem Zimmermeister Bock am Mühlendamm aufgegeben, einen symetrischen Riß von der auf den Mauern aufzubauenden neuen Kirche anzufertigen. Nachdem derselbe war anprobiert und der accord wegen des Baus ward gemacht worden, so wurde im Sommer 1789 das Bauholz auf dem Markte angefahren und zurecht gezimmert. In einem Vierteljahre ist die Kirche abgebrochen und wieder aufgebaut worden. In einem Jahre ist die Kirche in den jetzigen Zustand versetzt worden."

Kirche Rahden, Innenraum

Die Baukosten beliefen sich damals auf 5.300 Taler, die zum größten Teil von der Gemeinde selbst aufgebracht wurden. Ein Zuschuss von 600 Talern wurde von Friedrich dem Großen bewilligt. Die letzte Renovierung der Kirche im Jahre 1970 unter der Federführung des Landeskonservators aus Münster hat das Interieur von 1789 wieder entstehen lassen.

Die Festwoche zum Kirchenjubiläum begann mit einem Vortrag von Herrn Pfarrer Werner Milstein über die Geschichte der St. Johannis-Kirche. Es folgte eine Podiumsdiskussion über die Sonntagsheiligung mit Herrn Oberkirchenrat Herbert Rösener aus Bielefeld und mit Vertretern des Arbeitgeberverbandes und des DGB Minden unter der Gesprächsleitung von Herrn Pfarrer Dr. Werner Kreft. Im MIttelpunkt des dritten Gemeindeabends stand ein Referat von Herrn Altpräses D. Hans Thimme über den "rechten Umgang mit der Bibel". Zum Abschluss fand ein festliches Konzert in der St. Johannis-Kirche statt, das von auswärtigen Solisten, einem Kammerorchester, der Kantorei und vom Posaunenchor gestaltet wurde.

Immer wieder wird zu Konzerten in der St. Johannis-Kirche eingeladen, die von der Kirchengemeinde unter Mitwirkung der gemeindlichen Chöre und Instrumentalgruppen und vom Rahdener Kulturverein "KUL-TÜR" veranstaltet werden. Im Laufe des Jahres sind bekannte Solisten in der St. Johannis-Kirche zu Gast gewesen. Wiederholt singen der Rahdener und Kleinendorfer Männergesangverein im Gottesdienst und wirken ebenso wie die Rahdener "Singe Süsters" bei Geistlichen Abendmusiken mit. Bei allen Konzerten erweist sich die Kirche aufgrund ihrer guten Akustik als ein vorzüglicher Ort für musikalische Darbietungen.

"Herzlich willkommen zum Frühstückstreff für Frauen!" So heißt es im September 1992 in der Gaststätte "Am Museumshof". 240 Frauen waren der Einladung der Kirchengemeinde und der "Deutschen Zeltmission" gefolgt. Seitdem sind zweimal im Jahr alle Frauen in Rahden zum Frühstückstreffen eingeladen, das im Frühjahr und Herbst in verschiedenen Gaststätten stattfindet und jedesmal die stattliche Präsenz von 100 bis 150 Frauen aufweist. Nach dem gemeinsamen Frühstück gibt eine Referentin neue Impulse für den Alltag, indem sie aktuelle Themen und Fragen lebensnah und aus biblischer Sicht beleuchtet. Ein Chor oder eine Instrumentalgruppe gibt dem Treffen die musikalische Umrahmung. Regelmäßige Frühstückstreffen für Frauen finden auch im Gemeindesaal der Christuskirche in Tonnenheide statt.

In allen vier (Red.: heute drei) Pfarrbezirken bilden die Frauenkreise, Frauenhilfen und Frauen-Abendkreise eine tragende Säule des Gemeindelebens. Alle Kreise sind gut besucht. Bei den Zusammenkünften im Winterhalbjahr stehen geistliche und gesellschaftliche Themen, Lesungen, Reiseberichte und Ausflüge auf dem Programm. Stets sind die Frauen bereit, konkrete Aufgaben und Dienste in der Gemeinde zu übernehmen.

Zum jährlichen Weltgebetstag kommen evangelische und katholische Frauen abwechselnd in der St. Johannis-Kirche und St. Michaelskirche sowie in der Christuskirche in Tonnenheide zum gemeinsamen Gottesdienst und zur anschließenden Kaffeetafel zusammen.

EC Rahden um 1935

Eine betende und hörende Gemeinschaft stellt der Kreis der landeskirchlichen Gemeinschaft dar, die seit ca. achtzig Jahren in der Kirchengemeinde Rahden besteht. Ihre Mitglieder kommen zu regelmäßigen Bibelstunden zusammen, um durch gemeinsame Betrachtung des Wortes Gottes und Gebet persönliche Stärkung in ihrem Glaubensleben zu erfahren. Sie gehören zur Kirchengemeinde und tragen das gemeindliche, insbesondere das gottesdienstliche Leben durch ihre rege Präsenz mit. Einige arbeiten in Gremien, Kreisen und Diensten der Kirchengemeinde aktiv mit. Die sonntäglichen Familienbibelstunden werden von Predigern und einheimischen Pfarrern und Pfarrerinnen gehalten. In jedem Jahr wird eine Bibelwoche durchgeführt, die durch Bibelarbeiten und Vorträge gefüllt wird. Ein besonders Ereignis war die Evangelisation, die im September 1992 von der Deutschen Zeltmission als gemeinsame Veranstaltung der landeskirchlichen Gemeinschaft und der Kirchengemeinde durchgeführt wurde. Das am Museumshof aufgebaute Zelt war an jedem Abend mit gut dreihundert Personen gefüllt, die durch die Verkündigung Denkanstöße und Hilfen zum Glauben erhielten.

Paul-Gerhardt-Haus

Im Februar 1992 ging der von den Gemeindegliedern in Alt-Espelkamp lang gehegte Wunsch nach einem Gemeindezentrum in Erfüllung. Das Paul-Gerhardt-Haus wurde in einem festlichen Gottesdienst eingeweiht. Mit dem Bau des Hauses wurde die letzte Lücke in der gesamtgemeindlichen Konzeption geschlossen, in jedem Ortsteil der Kirchengemeinde wenigstens eine Predigtstätte und - wenn möglich - auch Räume für Gemeindekreise zu haben.

Seit April 1993 ist die Altenheimseelsorge in der Kirchengemeinde Rahden ein eigenständiger Arbeitsbereich, der in den ersten Jahren von Herrn Pastor Dieter Kuhlo-Schöneberg wahrgenommen und anschließend Frau Pfarrerin Wirwe Grau-Wahle übertragen wurde. In den vier Seniorenheimen und Pflegeheimen, die im Stadtgebiet Rahden liegen, werden regelmäßig Gottesdienste und Bibelstunden gehalten und die in ihnen lebenden Menschen seelsorgerisch betreut.

Kindergarten Bärenhöhle

"Jedes Kind in seiner eigenen Persönlichkeit anzunehmen, zu unterstützen und zu führen", ist für die Erzieherinnen stets Auftrag und Wegweisung. In dem Entwurf einer Konzeption für den Kindergarten "Sonnenstrahl" bringen es die Mitarbeiterinnen zum Ausdruck: "Ausgehend von einem ganzheitlichen Menschenbild findet christliche Erziehung bei uns auf den Lebens- und Erfahrungshintergründen der Kirche statt. Das Kind soll erfahren, dass es von Gott und den Menschen angenommen wird. Die Annahme, das Vertrauen, der Schutz und die Geborgenheit, die Jesus Christus den Kindern zuweist, sind für uns Mitarbeiterinnen Bestandteil und Voraussetzung, Kinder in ihrer Entwicklung zu begleiten. In diesem ganzheitlichen Ansatz ist die religionspädagogische Arbeit ein fester Bestandteil in unserem täglichen Leben mit den Kindern. So fließen Gebete, christliches Liedgut und biblische Geschichten in unsere Arbeit mit den Kindern ein." Die Kindergartenarbeit hat einen hohen Stellenwert im Leben der Gemeinde, findet guten Zuspruch bei den Eltern und ist von einer vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen den Mitarbeiterinnen und Trägervertrern/innen geprägt.

Eine ebenfalls vertrauensvolle Zusammenarbeit besteht zwischen der Stadt Rahden und der Kirchengemeinde. Sie findet ihren sichtbaren Ausdruck u.a. in gemeinsamen Beratungen und Vereinbarungen im Bereich der Kindergartenarbeit und in den gemeinsam veranstalteten Adventsfeiern für ältere Bürger und Bürgerinnen in den Ortschaften des Stadtgebietes Rahden.

Auch zu einzelnen Vereinen und den örtlichen Presseorganen besteht eine gute Verbindung, die vor allem durch Kontakte seitens der Pfarrerschaft gepflegt wird. Der Schützenverein Stelle-Stellerloh und die Alte Garde des Kleinendorfer Schützenvereins (Red.: z.B.) nehmen jeweils einmal im Jahr an einem Gottesdienst in der St. Johannis-Kirche teil.

"Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat." Dieses Bekenntnis aus dem 1. Johannesbrief legte Herr Pfarrer Dr. Werner Kreft seiner Predigt zugrunde, die er am 26. September 1999 in einem Festgottesdienst anlässlich seiner Verabschiedung aus dem aktiven Dienst in der St. Johannis-Kirche hielt. Gut einunddreißig Jahre hat er als Verkündiger des Wortes Gottes in der Gmeinde gewirkt und in erster Linie die Menschen im Pfarrbezirk Mitte-West seelsorgerisch betreut. Damit hat er sich in die Tradition der meisten Rahdener Pfarrer eingereiht, die in jungen Jahren in die Kirchengemeinde gekommen und bis zu ihrer Pensionierung in ihr geblieben sind. Über den gemeindlichen Dienst hinaus hat Herr Pfarrer Dr. Kreft dreizehn Jahre als stellvertretender Superintendent im Kreissynodalvorstand des Kirchenkreises Lübbecke mitgearbeitet.

Die Nachfolge konnte zügig geregelt werden. Am 1. Advent desselben Jahres wurde Herr Pfarrer Stefan Thünemann, der aus Dielingen stammt, in sein Amt eingeführt.

Für die zukünftige Arbeit und allen Dienst in der Kirchengemeinde Rahden sollen Worte des Theologen Karl Barth wegweisend sein: "Daß sie ein kleiner Haufe ist, das weiß die Gemeinde - nicht aber, nie genug, daß sie Gottes geliebtes und erwähltes Volk und als solches zu seinem Lob berufen ist."

Körling Lansky

ehemaliger Pfarrer der Gemeinde

Wenn Sie genauere Informationen zur Gemeinde-Geschichte wünschen, empfehlen wir Ihnen dieses Buch, das über unser Gemeindebüro (Tel. 05771/3442) beziehen können: Von der Mitte zum Leben - 650 Jahre St. Johannis-Kirche zu Rahden. Historische und zeitgenössische Beiträge - von der Ev.-Luth. Kirchengemeinde Rahden (Hrsg.)